Mittel- und Südnorwegen

08.09.2021  von Frosta nach Trondheim

Heute Nacht gab es mal kurz einen Sturm, dass ich gedacht habe mein Schneckenhaus fliegt weg… ist es dann aber doch nicht. Am Morgen ist der Regen in Niesel übergegangen, daher fahre ich noch einmal an der Klosterruine in Tautra vorbei.

Das ist ein schöner Ort, mit einem Café, Galerien und einem Klosterladen.. ein Abstecher auf die Insel auf dem Weg nach Trondheim lohnt sich auf jeden Fall.

Weiter ist für heute ein Stadtbesuch in Trondheim auf dem Plan. Ich suche mir einen Platz am Hafen – nicht der schönste Platz, aber kostenlos und mit einem schönen Blick auf einen Leuchtturm und die Insel Munkholmen mit ihrer kleinen Festung. Der offizielle Stellplatz kostet 300NOK, dafür liegt er an einer Bahnlinie und einer Hauptstraße mit Blick auf ein paar schmuddelige Hafengebäude.

Tatsächlich lässt auch hier der Regen nach und es gibt nur noch Niesel, bis Sprühregen. Also gibt es keine Ausrede mehr im Mobil zu bleiben. Ich packe meinen Fotorucksack und ziehe los.

Von hier aus bis ins Zentrum sind es ca. 30 Min zu Fuß. Der Weg führt zunächst durch einen Teil des Hafens und dann vorbei an einer Ökokolonie. 

Trondheim ist eine moderne und sehr chice Stadt. Es gibt viele tolle Wohnungen mit Blick und Balkon zum Wasser. In den Kanälen liegen Boote und ein altes Industriegelände ist zum Bar und Kneipenviertel umgebaut worden. Gefällt mir.

Die nächste Brücke gibt den Blick auf die historischen Speicherhäuser frei, die sich bunt im Fluss spiegeln. 

Ein kurzer Schlenker nach rechts führt mich zu einer alten Steinkirche und wieder an Cafés in alten Holzhäusern vorbei.

Nun laufe ich weiter zur Gamle Bybro, der alten Stadtbrücke aus  dem Jahr 1861.

Von dort scheue ich natürlich auch nicht den Weg auf die Festung Kristiansten. Entlang des Weges gibt es einen Fahrradlift, um Fährräder zum Kristianstenbakken hinauf zu bringen.

Die sternförmige Festung aus dem Jahr 1681 bietet einen tollen Ausblick auf Trondheim. Naja – wenn das Wetter etwas besser wäre, wäre auch der Ausblick schöner…

Der Ausblick erinnert mich daran, dass ich auch den Nidarosdom noch nicht gesehen habe. Also gehts den Berg wieder runter und ab zum Dom. Das Domportal ist mit unzähligen Skulpturen verziert. Eine der Figuren zu erschaffen dauerte 18 Monate. Sie basieren teils auf Originalvorgaben, teils auf Phantasie und stellen biblische und geschichtliche Personen dar. Bekannte Bildhauer schufen die Werke, unter ihnen auch Gustav Vigeland und Dyre Vaa.

Inzwischen wird der Nebel wieder nasser und mir beginnen nach 3 Stunden auch die Füße zu brennen, so gehe ich gemächlich zurück zum Mobil. Unterwegs erstehe ich noch eine Zimtschnecke, für preiswerte 38NOK, die im warmen, trockenen Mobil mit einer Tasse Kaffe das zeitliche segnet.

09.09.2021

Erst einmal zum Wetterbericht : Das Plätschern auf dem Wohnmobildach bleibt mir auch heute Morgen erhalten, aber die Wolken hängen nicht mehr so tief und ich kann etwas mehr von der Bucht sehen. Man muss sich auch über Kleinigkeiten freuen können.

Dennoch ist die Devise für heute : Suche die Sonne.

So fahre ich Richtung Atlantikküste los. Auf dem Weg aus der Stadt finde ich auch noch eine Tankstelle, an der ich für sagenhafte 1,279 € tanken kann. Dort ist zwar die Hölle los, aber die Gelegenheit lasse ich mir nicht durch die Lappen gehen, zumal mein Tank nur noch 1/4 voll ist.

Freudig fahre ich weiter und beschliesse einen Teil der Strecke nicht auf der E39 zu fahren, sondern eine Nebenstrecke zu nehmen um mehr von der Landschaft geniessen zu können. Nicht so ganz die kluge Entscheidung, wie sich herausstellt, weil ein Großteil der Strecke wieder aus Schotterstraßen besteht. Dennoch ist das was ich von der Landschaft sehen kann ohne ein Schlagloch zu übersehen, sehenswert. 😉

Ich fahre bis zur Fähre nach Halsa. Diese steht schon in den Startlöchern als ich ankomme und ich husche noch schnell drauf. 

Inzwischen regnet es tatsächlich nicht mehr und ich kann kleine Flecken blauen Himmel sehen. Jipiiieehhhh !

An der imposanten Gjemnessundbrua mache ich einen Fotostopp und fahre dann weiter nach Kristiansund.

Ich parke mein Schneckenhaus am Skaterpark und begebe mich auf eine Stadtbesichtigung ohne festen Plan. Einfach mal schauen. Inzwischen scheint tatsächlich die Sonne !!!! Direkt nebenan ist die Mellemwerft, eine historische Werftanlage, die offenbar heute noch alte Schiffe instandsetzt und ein Museum beherbergt.

Ich folge der Hafenstraße und kann unterwegs sogar frische Garnelen direkt vom Schiff kaufen. Das ist das erste Mal, dass ich das in Norwegen gesehen habe. 

Kristiansund ist nicht so chic wie Trondheim, aber irgendwie authentischer. Mir gefällt es sehr gut.

Ich gehe mit meiner Beute zurück ans Mobil und fahre zum Atlanterhavsveien, dessen Überquerung ich mir für Morgen aufhebe. Ich finde einen schönen Schlafplatz mit Rundblick, zwar in der Nähe der Straße, aber die Zahl der vorbeifahrenden Autos hält sich in Grenzen. 

Auftrag Sonne finden ist erledigt. 

Und sie verabschiedet sich auch noch sehr nett !

10.09.2021

Jetzt hat mir doch wieder jemand die Sonne geklaut und ich kann sie einfach nicht wiederfinden! 😒

Leider muss ich die schöne Atlantikstraße nun im Regen queren. Der Abschnitt ist zwar kurz, aber es ist dennoch ein beeindruckendes Bauwerk. Möchte nicht wissen wie es hier bei Sonne oder Sturm aussieht.

Heute ist leider nur Einheitsgrau und nass bis sehr nass im Angebot. Ich schlage schon einmal den Weg in Richtung der Insel Runde ein. Den Trollstigen habe ich abgehakt, das macht bei dem Wetter nicht viel Sinn. Ab Montag soll das Wetter wieder etwas besser werden. So nehme ich die Fv64 bis Molde und setze nach Vestnes über. Leider ist auch hier nicht viel zu sehen bei dem trüben Wetter. 

Ab Vestens fahre ich auf der E39 auf einen Abstecher nach Ålesund

Die Stadt ist bekannt durch Ihr Jugendstil geprägtes Zentrum und liegt malerisch auf einer langezogenen Halbinsel. 

Dennoch packt mich Ålesund nicht. Ja es gibt viele Häuser mit Jugenstilfassaden, aber die Stadt scheint auch sehr mondän. Im Hafenarm liegen dicke Yachten und auch die Geschäfte sehen teuer und nobel aus. Ist nicht so mein Ding.

Daher setze ich mich nach einem kurzen Rundgang, natürlich leicht durchfeuchtet, wieder ins Mobil und fahre zurück auf die E39 Richtung Solvågen um nach Festøya überzusetzen. Die Fähre steht schon da, das geht ja heute, wie Ratz die Rübe ….

Nun führt die E 39 wieder am Wasser entlang. Könnte man etwas sehen, wäre es bestimmt toll.

Aber das Mistwetter hält sich wacker.

In Berkneset finde ich einen Stellplatz auf einem stillgelegten Pier. Hier ist es bestimmt schön – glaube ich – denn ich kann nichts sehen … 😏

Aber ein Blick ins Wasser reicht schon um mir ein – oh, wie toll- zu entlocken. Das Wasser ist glasklar und tief. Bei schönem Wetter könnte man toll vom Pier ins Wasser hüpfen, aber das verkneife ich mir heute, verziehe mich ins Mobil und mache Abendessen.

22.09.2021 von Berkneset auf die Insel Runde

Ich werde von einem bekannten Geräusch geweckt. Es tröpfelt aufs Dach.

Macht nichts. Aufstehen, Yoga, Kaffekochen und den Tag langsam angehen. Mit und mit wird der Regen weniger und ein wenig, kann ich auch sehen wo ich bin.

Ich sitze mit offenem Fenster -denn kalt ist es nicht- im Mobil, trinke mein Käffchen und höre plötzlich ein Prusten. – Hä ?! – Oh!!! Delfine !!! Uiiiii!!! Natürlich bin ich nicht schnell genug draußen um ein gescheites Foto zu machen.

Trotzdem – wie schön. Das ist ein ganz besonderes  Geschenk. Ich glaube dieser Platz ist trotz des Wetters der schönste Platz bisher. So viel Frieden, Ruhe und Natur. Ich bin einfach nur dankbar.

Kurz überlege ich einfach zu bleiben, aber mein Antreiber sagt weiter.

So breche ich auf zur Vogelinsel Runde. Dort werde ich heute einen Campingplatz anfahren und mal ein, zwei Maschinen Wäsche waschen.

Auch dieser Platz liegt schön, ist aber mit dem gestrigen nicht zu vergleichen. Ich zahle für 1 Übernachtung mit Strom und 2x waschen und 2x Trockner 37,50€. Der Tag vergeht mit Wäsche waschen und einem kleinen Spaziergang. Morgen werde ich den Vogelfelsen in Angriff nehmen.

12.09.2021 Insel Runde – Stryn

Heute steht eine Runde Birdwatching auf dem Programm. Das Wetter ist grau, aber trocken.

Um 8 Uhr bin ich schon fertig gerüstet um den Vogelfelsen zu erklimmen. Der Berg ist nicht hoch, nur ca. 300 Meter, aber der Weg ist steil und zunächst asphaltiert. Irgendwann wird er dann wieder zum norwegischen Wanderweg. Matschig, rutschig, steinig. Aber die Aussicht ist phänomenal. Hier und da sticht die Sonne durch die Wolkendecke und erzeugt eine einmalige Lichtstimmung.

Zum Glück machen weder mein Rücken noch meine Knie zzt allzu viel Probleme und so schaffe ich es mit unbeugsamen Willen die felsigen Aussichtspunkte zu erklimmen. 

Die Papageientaucher sind wie befürchtet bereits weitergezogen, aber es nistet eine Kolonie Basstölpel im Fels und ich bekomme sogar wieder Adler zu sehen, die ich aber auch dieses Mal nicht scharf ablichten kann, weil sie zu weit weg sind. Dafür reicht meine Ausrüstung einfach nicht aus. 😞

Nach 3 Stunden Kraxelei habe ich genug und mache mich auf den Rückweg. Zum Schluß ist ein kleiner Vogel noch so nett für mich Modell zu sitzen. Ich weiß leider nicht, was es für ein Vogel ist. 

Jetzt noch schnell Duschen und dann geht es ein ganzes Stück wieder retour, wie ich auch gekommen bin Fv 654, Fv61 und dann auf die E39 entlang des Voldsfjord, Austefjord zum Innviksfjord bis kurz hinter Stryn. Dort finde ich wieder einen schönen Stellplatz mit 180° Fjordsicht. Unterwegs passiere ich gefühlt 100 Tunnel und hinter jedem längeren Tunnel ist das Wetter anders, Regen, Sonne …. und die Fjordlandschaften erinnern mich zum Teil an die Schweizer Seen oder die oberitalienischen Seen, mit anderer Bebauung. 

Für heute habe ich genug, jetzt wird rumgefault 😉 und aufs Wasser geschaut.

13.09.2021 Von Stern bis kurz vor Skei

Die Sonne ist zurück! Heute Morgen strahlt sie über die Gipfel und beleuchtet die gegenüberliegenden Berge.

Mit Sonne ist die Laune gleich wider etwas besser. Nach dem Kaffe fahre ich das kurze Stück zurück nach Stryn und schaue mir das Tal an, welches von einem mäanderndem Fluß durchzogen ist und in einem großen See endet.

Hier ist es schon erheblich touristischer als weiter im Norden und als Folge sieht man auch sehr viele “no Camping” Schilder.

Doch das Tal ist wunderschön. Ich fahre bis nach Hjelle und überlege, ob ich bis zum Geirangerfjord hochfahren soll, doch ich habe wenig Lust auf Touristenhotspots und drehe dann um, um den kleinen Pass bei Utvik zu überqueren.

Dazu umrunde ich den Innviksfjord noch einmal zur Hälfte und werde den Gedanken nicht los, dass die Landschaft mich tatsächlich an die Berge und Seen der Alpen erinnert. Vom Pass aus hat man noch einmal einen tollen Blick auf den Fjord. 

Eigentlich hatte ich geplant, auf dem Stellplatz an der Liftstation zu bleiben und dort oben etwas wandern zu gehen. Doch vom Seilbahnplatz hat man leider keine Panoramasicht. So fahre ich den Pass auf der anderen Seite wieder runter und folge der E39. 

Diese führt nun durch ein enges Tal, welches ebenfalls von einem Fluss durchschnitten wird. Dort finde ich dann einen wunderschönen Platz am türkisblauen Fluß. Man hört zwar die Straße im Hintergrund, aber der Platz ist schön und die Sonne scheint. So stelle ich seit langem einmal wieder meinen Stuhl vor die Tür und genieße den Sonnenschein. Das ist mindestens so schön wie Wandern. 😬

14.09.2021 vom Votedalselva an den Dalsfjorden

Heute Nacht war es kalt im Flusstal und als ich heute Morgen die Tür aufmachte hingen Nebelschwaden zwischen den Bergen, deren Spitzen bereits von der Sonne angestrahlt wurde. Was für ein Anblick !!

Duschen, Yoga, Käffchen und dann gehts weiter. Zuerst muss ich mir heute neues Gas beschaffen. Wenn es nachts so kalt wird, brauche ich Heizung. Meine LPG Info für Norwegen sagt mir, dass ich in Førde meine Gasflaschen befüllen lassen kann. Eine ist ganz leer, die andere bereits halb leer.

Es geht weiter auf der E39 entlang des Jölstravatnet bis nach Førde. Das Flaschenfüllen klappt problemlos  und der Preis ist einmal mehr sehr stolz. Für 11kg + 5kg werden mir 588,—NOK abgenommen. Naja, Hauptsache nicht frieren.

Nun geht es in Serpentinen aus Førde heraus. Ich wechsle von der E39 auf die FV57, die wieder so aussieht, wie ich norwegische Straßen gewohnt bin 😉. Schmal und uneben. Die Straße geht entlang des Dalsfjorden und die Aussichten sind heftigst schön. Leider bietet die Straße kaum Möglichkeiten anzuhalten, aber ich bin auch schon bald an einem Ziel angekommen. Allzu viel Zeit möchte ich heute bei dem schönen Wetter nicht im Auto verbringen.

Der Platz befindet sich in einem kleinen Hafen kurz hinter der Ortschaft Holmedal.

Das ist genau das, was ich an Norwegen mag. Plätze die absolut ruhig und friedlich sind. Keine Autogeräusche, kein Geschrei, einfach nur Stille, Wasser, Sonne, Berge, Natur.

Nachmittags vertrete ich mir noch ein wenig die Füße und komme, wie soll es anders sein, mit nassen Schuhen wieder zurück. Trotzdem schön gewesen.

Mit einem Kaffee in der Sonne genieße ich den Resttag auf der Hafenmauer und hoffe darauf nochmals Delfine zu sehen.

15.09.2021 vom Dalsfjorden an den Sognefjord nach Dragsvik

Gestern Abend hat sich der Mond einmal kurz blicken lassen. Doch kaum war er da, ist er auch schon wieder verschwunden… komisch das … hier ….

Vor lauter Fjorden, weiß man gar nicht mehr wohin …. die Würfel sagen Sognefjord. Das ist der längste Fjord Norwegens. Aber wie hinfahren … Vor lauter Wasser, Fähre, Gletscher, Berge, verliere ich schon mal den Überblick über die beste Route.

Heute entscheide ich spontan und der erste Teil der Route ist echt einmalig.

Zunächst nehme ich die Fähre von Askevoll nach Fure. Es beginnt damit, dass ich nicht wie alle anderen vorwärts auf die Fähre darf, sondern rückwärts rauffahren muss. Ich bin offenbar die Einzige die nach Fure fährt… ok 

Während der Fährfahrt lasse ich Google immer mitlaufen. Das ist sehr unterhaltsam und normalerweise weiß Frau Google auch immer wo es lang geht, aber heute scheint die Fähre vom Plan abzuweichen. Frau Google ist verwirrt und bittet mich mehrmals abzubiegen. Am Ende finden sich die Routen aber wieder und ich darf in Fure wieder vorwärts von der Fähre und folge der Fv61, die zur Fv607 wird. Eine normale schmale norwegische Straße durch tiefe Wälder und Moore mit rotbraunen Tümpeln. Nun wechsle ich auf die Fv57 und habe irgendwann die Möglichkeit rechts oder links zu fahren.

Frau Google sagt, dass ist gleich schnell. Ich entscheide mich für rechts rum und lande irgendwann auf der Fv93. Die Straße wird schmaler und interessanter. Es geht bergauf und bergab, an Wasserfällen und wilden Flüssen vorbei, hier und da ein See, Passhöhen und Täler wechseln sich ab und ich bekomme den Mund nicht mehr zu. Ist das herrlich! Leider kann ich wie oftmals auf den schalen Sträßchen nicht überall anhalten und wenn, dann ist die Sicht durch Bäume oder Büsche verstellt und nicht gut zu fotografieren, aber ich glaube diese Tour vergesse ich so schnell nicht.

Für den/die interessierte/n Leser/in habe ich das Teilstück mal in eine Karte eingefügt. 

In Vadheim komme ich dann nach einer abschüßigen Serpentinenstrecke

kurz auf die E39 und folge dann der Fv55 entlang des Sognefjord. Das ist wirklich ein riesiges Wasser. In Balstrand mache ich einen kurzen Stopp, entsorge noch schnell und schaue mir die dortige Holzkirche St. Olaf an.

So langsam merke ich, dass die Fahrt mich angestrengt hat und der Wunsch nach einem Stellplatz wird groß. Da ich mich aber nicht entscheiden kann, wie es Morgen weitergehen soll in dem Fjordlabyrinth, dauert die Entscheidungsfindung etwas. Schließlich kommt mir auch hier Kollege Zufall zur Hilfe und ich finde ein tolles Eckchen am Fähranleger in Dragsvik mit herrlicher Aussicht und ganz für mich alleine. Sogar ein paar Delfine habe ich schon wieder gesehen.

Kurz danach habe ich im Radio gehört, dass sie auf den Färöer Inseln heute hunderte von Delfinen zusammengetrieben und abgeschlachtet haben. 😔 Was ist der Mensch doch für ein brutales Wesen. Wie kann man diese wunderbaren Tiere nur so grausam hinmetzeln?

16.09.2021 von Draksvik über Kaupanger, den Snovegen/Aurlandsfjellet nach Djønno

Sensationell, dieser Tag. So langsam gehen mir die Superlative aus.

Heute Morgen bin ich von Draksvik mit der Fähre nach Hella übergesetzt. Auf der Fv55 und der E5 war das 1. Ziel Kaupanger. Dort steht eine weitere Stabskirche aus dem Jahr 1180. 

Ich mag diese Kirchen. Sie passen so wunderbar in die Landschaft und strahlen eine seltsame Ruhe aus.

Das nächste Zeil soll der Aurlandsfjord sein, aber nicht durch den Tunnel, sondern über den Snøvegen. Diese Strecke ist eigentlich ein Muss. So fantastisch, aber am Besten zwischen Juni und Oktober weil, wie der Name schon sagt, dort gerne viel Schnee liegt. Die Straße geht is auf 1350 Meter hoch, in eine unglaubliche Landschaft. Ringsum sind Gletscher zu sehen, die Landschaft ist wild und karg aber einfach nur wow !

Ich lasse jetzt mal die Bilder sprechen.

Auf dem Weg nach unten kommt man zur Aussichtsplattform Stegastein. Von dort hat man einen Logenplatz mit Blick auf den Fjord. 

Für die ganze Strecke bis Flåm sollte ich laut Google eigentlich nur etwas über 2 Stunden benötigen. Am Ende waren es fast 5 Stunden mit immer wieder anhalten, fotografieren, hier hochkraxeln und da noch etwas schauen.

Aber schön, schön, schön …

In Flåm könnte man jetzt noch mit der Flåmsbana in das Gebirge, aber die Fahrt kostet 63,—€ und eigentlich war ich ja schon oben. 😉

Also beschließe ich noch etwas Strecke zu machen, da es ohnehin regnet. Heute Morgen habe ich beschlossen Bergen aus meiner ToDo Liste zu streichen. Ich habe keine Lust auf Stadt, sondern werde jetzt relativ zügig in den Süden fahren um eventuell noch ein paar Tage an einem Ort zu verweilen und die ganzen Eindrücke erst einmal zu verdauen, bevor ich mich auf dem Heimweg mache. 

Der Schlafplatz fügt sich nahtlos in den Tag. Der Weg dorthin ist schmalst, eng und liegt eigentlich direkt an der “Straße” aber hier fährt kaum ein Auto und der Blick auf den Hadangerfjord ist herrlich. Im Hintergrund sieht man die Gletscher des Folgefonna Nationalparks. Alles chic. Für Nachahmer – der Stellplatz ist wirklich nur etwas für Fahrzeuge bis 6 Meter. Erstens wegen der Zufahrt und zweitens ist auch nicht viel mehr Platz auf dem Streifen.

17.09.2021 von Djønno zum Røldalsfjellet

Entschleunigung ist angesagt. Ich merke, dass das viele Fahren, die vielen Eindrücke, tausende von Fotos wieder an meiner Konstitution nagen. 

Daher steht heute nur der Låtefossen auf dem Programm und dann ein schöner Stellplatz mit ein wenig Bewegung ohne mir die Gräten zu brechen.

Ich fahre brav über die E13. Man kann auch am Westufer des Sørfjordes auf der Fv550 entlangfahren, aber die ist noch enger als die E13 und hier müssen Busse und LKW schon oft aneinander vorbeirangieren. Ein Wort noch zum Norwegischen Straßenbau. Auch wenn ich oft augenzwinkernd über schmale und holprige Straßen berichte, so muss man doch den Hut vor den Norwegern ziehen. Was hier an Aufwand notwendig ist um ein halbwegs gescheites Vorankommen von A nach B zu gewährleisten ist schon enorm. Und die E Straßen sind meist perfekt ausgebaut und asphaltiert. Hinzu kommen die ganzen oft Kilometer langen Tunnel die durch die Felsen gebohrt werden, oft mit unterirdischen Abzweigungen oder Kreisverkehren,

die vielen Brücken und Fährverbindungen und die strengen Winter. Das muss immense Summen verschlingen. In sofern bin ich mit der Straßenmaut in Norwegen völlig einverstanden.

Also auf der E13 zum Låtevossen, vorbei an Odda, was sicherlich auch nicht uninteressant ist. Im Vorbeifahren sehe die alten Industrieanlagen und Denkmäler die an das  ehemalige Schmelzwerk erinnern.

Am Låtefossen mache ich erst einmal eine gemütliche Frühstücks-/Mittagspause und packe dann die Kamera aus. Aber kein Foto will mir so recht gelingen. Die Sonne blendet mir ins Objektiv und die direkt vor dem Wasserfall liegende Straße bereitet mir Probleme. 

Der 2. Programmpunkt Stellplatz ist schnell entschieden. Er führt mich zwar wieder eine enge Passtraße hinauf, aber der Platz ist 1. Sahne mit Blick in die umliegenden Berge und auf den Røldalsvatnet. Also “nur” ein See 😉

Da der Pass wenig befahren ist, kann ich auf der Straße entlang wandern , so ist auch der Punkt Bewegung erfüllt.

Das reicht mir dann für heute. Jetzt werden noch die Fotos ausgewertet und bearbeitet, der Blog aktualisiert und die restlichen Social Media Kanäle bedient und dann wird nur noch Gelesen und die Landschaft bestaunt.

18+19.09.2021 vom Røldalsfjellet nach Sand

Gestern Abend hat meine Nordlicht App auf einmal behauptet, dass die Chance auf Nordlichter groß sei. Das hat mich in große Aufregung versetzt, immer wieder bin ich raus um nachzuschauen. Doch leider war der Himmel zu bewölkt und so wurde es mit meiner sehr wahrscheinlich letzten Chance auf Nordlichter leider nichts. Aber der Mond hat noch vorbeigeschaut.

Mein Weg für den heutigen Tag ist nicht allzu lang, nur 1Std 20Min, aber er ist wieder einmal sehr schön. Die Fv13 führt durch ein enges Tal – eigentlich mehr eine Schlucht durch die sich ein Fluß schlängelt, bzw stellenweise stürzt und dann zum Sudalsvatnet zu werden.

Wie der Name schon sagt, befinde ich mich im Suldal und mein Endpunkt für heute ist das kleine Städtchen Sand. Unterwegs treffe ich noch Familie Schaf auf einem Wochenendausflug.

In Sand gibt es einen netten Stellplatz im Hafen für 150NOK incl. Strom. Das ist für norwegische Verhältnisse fast geschenkt und so ist der Stellplatz mit seinen 6-9 Plätzen auf voll als ich ankomme. Doch zum Glück bricht gerade jemand auf und macht mir Platz. Bezahlen kann man in der Touristeninformation oder im Ryfylkemmuseum neben, welches allerdings Sonntags geschlossen hat.

Ich richte mich häuslich ein, gehe ein wenig durch den Ort, kaufe noch ein paar Lebensmittel, mache ein Mittagsschläfchen, setzt mich mit meinem Buch ans Wasser und lasse es mir gut gehen. Morgen werde ich wohl noch bleiben und ein wenig wandern gehen. Wie gesagt – entschleunigen. Das tut auch gut 🙃

Abends leuchtet die Sonne noch einmal golden in den Hafen, was mich natürlich wieder zu schnellen Bewegungen animiert 😆

19.09.2021 

Ausschlafen ist einfach nicht meines, so bin ich um 7:00 Uhr schon wieder wach. Macht aber nichts, ich trinke gemütlich Kaffee und mache mich um kurz vor Elf auf die Socken. Bzw. festen Wanderschuhe, wie ich inzwischen gelernt habe. Ich folge zunächst er Sand Safari, die mich durch den Ort zum Lachsstudio führt.

Dort kann man theoretisch Lachse springen sehen und in einer Art Unterwasserschaukasten die Lachse vorbeischwimmen sehen. Heute springen keine Lachse im tosenden Wasserfall und auf eine Schaukastenbeobachtung verzichte ich ebenfalls.

Ich biege ab auf den Høse bau Rundweg, der zum Teil am Fluß und durch den Wald verläuft und grün, also einfach gekennzeichnet ist. Unterwegs biegt ein neuer (blauer) Wanderweg ab. Ich kann der Versuchung nicht Widerstehen und biege auch dorthin ab, muss aber nach kurzer Zeit wieder aufgeben. Blau heißt mittelschwer, doch das ist in Norwegen schon nichts für Menschen die nicht 100% trittsicher sind und das bin ich zzt mit meinen schmerzenden Knien nicht. Der Weg ist zwar relativ trocken, geht aber über Wurzeln und vermoste Felsen und Steine. Das ist mir zu heikel.

Für mich ist das ein echter Wermutstropfen an Norwegen, dass die Wanderwege so “naturbelassen” sind. Wenn man nicht absolut trittsicher ist, läuft man hier ständig Gefahr auszurutschen oder umzuknicken, auch mit gutem Schuhwerk. Daher bin ich bislang nicht annähernd so viel gewandert wie sonst und das fehlt mir schon ein wenig.

Also gehe ich wieder zurück auf den Weg für Flachlandtiroler und folge weiter der Sand Safari. Der Weg führt zum größten Teil über Asphalt, aber an Autobrücke über den Suldalslågen finde ich wieder ein grünes Wanderwegschild. Dieser Weg führt am Suldalslågen vorbei und ist sehr schön. Hier springt auch ein Lachs 😉. Unterwegs komme ich an einer Wiese vorbei die Im Sommer offenbar zum zelten und als Badestelle genutzt wird. Ich treffe einen Fliegenfischer im Fluß, den ich fotografieren darf. Er hat auch schon Beute gemacht.

Schließlich endet der Weg wieder auf der Straße zur Sand Safari. Gut, dann gehe ich hier weiter hinauf bis zum Suldals Bad und den Weg wieder hinunter bis zum Hafen in dem mein Wohnmobil steht. Ein wenig neidisch schaue ich unterwegs auf die großen zum Fjord ausgerichteten Terrassen, der in den Hang gebauten Häuser.

Insgesamt war ich jetzt knapp 3 Stunden unterwegs. Das ist ok.

Sand ist ein schönes gepflegtes Städtchen, dass seinen Bewohnern eine hohe Lebensqualität bietet. Mit der Lage am Fjord, allen Geschäften, dem Freizeitbad, einer neuen Sportanlage, Schulen, einer Jugendherberge, kann man es hier sicher gut aushalten. 

20.02.2021 von Sand an den Lysefjord

Obwohl ich heute Nacht schlecht geschlafen habe, bin früh wieder wach. So sitze ich schon um 9:00 Uhr im Auto und fahre Richtung Lysefjord. Immer auf der Fv13 und ein Fjord löst den nächsten ab. Sandsford, Lovravatnet -“nur” ein See aber wunderschön in hohen Bergen eingebettet,

Erfjort, und schließlich zum Jøsenfjord. Hier öffnet sich die Landschaft wieder und an den Hängen des Fjords findet man Apfelplantagen. Am Hjelmelandfjord nehme ich die Fähre von Nesvik nach Hjemeland und fahre weiter Richtung Lysefjord. Dort biege ich nach der Brücke auf die Fv496 ab und beginne die Stellplatzsuche. Der Tag ist sonnig und den möchte ich nicht im Auto verbringen. Da ich noch früh dran bin finde ich auch wieder ein traumhaftes Plätzchen mit Logenblick aufs Wasser.

Stuhl raus, Kaffe kochen, Büttercken essen. 

Danach gehe ich noch ein Stück an der wenig befahrenen Straße zu einem “kleinen” See (Eidavatnet) im Hinterland. Wandern für Knielahme … aber besser als nichts und da die Straße wirklich wenig befahren ist auch kein Problem und wunderbar ruhig. 

Zurück am Mobil, setze ich mich noch ein wenig in die Sonne und fange am Abend an das Feuerholz, welches jemand freundlicherweise hat liegeblassen anzuzünden. Das Grillfleisch liegt schon zum Auftauen draußen. 

Herrlich ! Im Fjord jagt ein Schwarm Lachse nach Fliegen und das Wasser sieht aus wie ein Whirlpool. Leider kann man die Fische aufgrund der Spiegelung nicht richtig sehen. Trotzdem faszinierend. Besser als Fernsehen.

Das war noch einmal ein richtig toller sonniger Tag. Ab Morgen soll es nicht mehr so schön werden…. Mal schauen.

21.02.2021 vom Lysefjord zum Flekkefjord

Der Wetterbericht hat leider Recht behalten. Es regnet. Trotzdem war der Tag gestern einfach nur schön und das nehme ich mit.

Heute möchte ich raus aus den Fjorden und an die Nordsee. Gegen Ende der Woche, oder Anfang nächster Woche werde ich die Fähre nach Dänemark nehmen und noch hoffe dort noch auf ein paar Strandtage.

So schlage ich die Richtung Egersund ein. Zunächst muss ich wieder auf die Fähre, von Oanes nach Lauvikka und dann folge ich der Straße Richtung Egersund. Zwischendurch fahre ich noch einmal schnell eine Entsorgung an – wirklich unglaublich wie einfach das hier geht. Neben der Entsorgung erliege ich trotz des wechselhaften Wetters der Versuchung einer Selbstwaschanlage und entferne den gröbsten Dreck von meinem Schneckenhaus. Zu Hause werde ich einiges zu tun haben um den ganzen Schmutz wieder richtig zu entfernen. Von den Schotterstraßen haben sich kleine Teerpartikel ziemlich heftig an den Lack geklebt. Aber fürs Erste sieht es schon mal wieder ganz gut aus.

Hinter Egersund öffnet sich die Landschaft und gibt den Blick auf die Nordsee frei. Hier irgendwo will ich mir einen Stellplatz suchen. Doch wie so oft kommt es anders als ich denke…. Der angepeilte Platz mit Blick aufs Meer ist nicht befahrbar und in der Nähe gibt es auch kein Äquivalent. Ok, dann fahre ich eben nach Liknes, das wollte ich mir eh anschauen und dort gibt es einen städtischen Stellplatz. Also : Folge der Fv44 die ich in meinem jugendlichen und schlecht informierten Leichtsinn, als Straße in der Nähe der Küste angesehen habe. Doch das stellt sich als Trugschluss heraus. Die Straße windet sich in Serpentinen auf und ab durch eine völlig surreale Landschaft, die sich bestens für einen Phantasiefilm eignen würde. Irre !

In Flekkefjord angekommen stelle ich mir dann die Frage, warum ich denn unbedingt auf einem asphaltieren Stadtplatz übernachten soll. Ich kann mir doch auch wieder was in der Natur suchen und fahre dann morgen nach Linkes. Gesagt, getan, der nächste schöne Platz ist quasi um die Ecke – und der ist wirklich schön ! Wald, Wasser, Bucht, Ruhe  – so bin ich zufrieden. Die Zufahrt zum Platz ist wieder Schotter und Kies und der Platz eignet sich definitiv nicht für Mobile über 8mtr.

22.02.2021 vom Flekkefjord auf die Insel Lista

Die Strecken werden kürzer. Heute mache ich ein kleines Ausflugsprogramm. Zunächst besuche ich das kleine Örtchen Feda am gleichnamigen Fjord. Die bunten Fischerhäuschen reihen sich am Wasser auf wie an einer Kette. Der Ort ist nett und adrett, doch stehen viele Häuser zum Verkauf, obwohl es den Anschein macht, dass sich zumindest in der Hochsaison doch einige Touristen hier einfinden.

Von Feda aus umrunde ich den Fjord, fahre in Liknes – was im übrigen nicht sonderlich attraktiv ist- wieder Richtung Küste. Diesmal wirklich Küste. Auf der Insel Lista erwische ich einmal wieder eine Schotterpiste bis ich an meinem Zielort, einem kleinen Schutzhafen an der Nordsee ankomme. Die Zufahrt ist wirklich eng und mein Mobilen dürfte nicht viel länger sein, aber es passt. Vor der Mole und an der gegenüberliegenden Felsen brechen sich die Wellen. Auch schön mal wieder offenes Meer zu sehen. 

Am Nachmittag versuche ich mich einmal wieder an einem norwegischen Wanderweg und muss erneut passen. Der “Weg” führt mitten durch die Felsen und ist mehr ein Klettersteig als ein Weg. So gehe ich etwas frustriert wieder zurück zum Mobil. Dann eben nur Wellen gucken.

Außerdem habe ich die Zeit genutzt mit die Fähre für die Rückfahrt am 27.09. mit ColorLine zu buchen. Die Fahrt kostet für mein Mobil und mich 87,60€ das sind ca 50,–€ weniger als bei Fjordline, die zwar 1 Stunde schneller ist, aber auf 1 Stunde kommt es wirklich nicht an und 50,– sind wieder eine halbe Tankfüllung 😉

Vielleicht bin ich auch wegen der bevorstehenden Rückfahrt heute ein wenig missgelaunt -kann durchaus sein. Ich verspreche Morgen wieder fröhlicher zu sein.

23.+24.09.2021 die Insel Liste

Der Tag beginnt wieder kalt und nass und als i-Tüpfelchen gibt es noch Sturm.

Das wird mir hier in der Bucht dann doch zu extrem. So wechsle ich den Stellplatz und fahre ein paar Kilometer weiter in den Hafen von Borhaug. er Platz kostet 250NOK/Nacht und wäre per Geld im Briefkasten zu bezahlen, wenn man denn den Briefkasten finden könnte.

Also warte ich ab, ob jemand kommt. 

Inzwischen fängt der Sturm richtig an sich auszutoben und das Wetter wechselt zwischen Sonne und peitschendem Regen. Das wackelt ganz schön im Mobil und wenn ich die Tür aufmache, muss ich aufpassen, dass ich nicht aus der Tür fliege. 

Als sich eine etwas größere Wolkenlücke auftut, wage ich mich mit dem Fotoapparat nach draußen um mir das Meer anzuschauen. Der Wind ist so stark, dass man aufpassen muss nicht umgepustet zu werden, aber der Anblick des tosenden Wassers ist beeindruckend. Klick, klick, klick, macht die Kamera. Ich bin begeistert. Immer neue Wellentäler und Gischt die vom Wind verweht wird. Die Wellen schießen über die Mole am Hafen – was für ein Schauspiel!

Irgendwann rollt wieder eine dunkle Front an und ich flüchte ins Mobil. Puh!

Erst am Abend traue ich mich noch einmal raus und gehe bis zum Ende der Mole. Unterwegs erwischen mich ein paar über die Mole schießende Wellen, aber ich bin drauf gefasst. Dennoch hat der Strom ein wenig nachgelassen, aber das Meer braucht wohl noch ein wenig um sich zu beruhigen.

24.09.2021

Der Sturm hat sich verzogen, aber der Regen leider nicht und ich habe immer noch nicht herausgefunden, wo ich mein Geld deponieren kann. Das ist doof und ich möchte nicht noch eine 2. Nacht “illegal” stehen. So packe ich zusammen und mache eine kleine Rundreise über die Insel. Zunächst zum Leuchtturm, leider im Grau und dann zum Husebysanden Strand. Bei Sonne ist es hier sicherlich toll. Weißer Sand und türkisblaues Wasser – bei Sonne – doch im Moment kann man es nur erahnen.

Weiter geht die Inselbesichtigung in den kleinen Ort Loshavn. Das ist Friede pur. Zumindest um diese Jahreszeit. In der Bucht liegen kleine Inseln, die zum Teil bebaut sind. Ich wandere durch den Ort und bin ein wenig traurig, dass man bei uns solche Orte zum Leben nicht findet, oder wenn, dann sind sie nicht bezahlbar. Ich denke mit Grausen an die Geräuschkulisse zu Hause.

Weiter geht die Rundtour nach Farsand. Das ist quasi die “Hauptstadt” der Insel. Dort finde ich auch einen neuen schönen Stellplatz für – Ihr werdet es erraten : 250NOK, die ich diesmal aber auch bezahlen kann.

Auch hier liegen wieder kleine Inselchen in der Bucht. Am Nachmittag schlendere ich noch ein wenig durch den Ort, gehe noch Milch und Brot kaufen – auf das Brot zu Hause freue ich mich !

Die Halbinsel Lista ist wie ein kleiner Abriss von Norwegen Im Nordosten der Flekkefjord, die Archipele, die Strände.. hier kann man schön Urlaub machen.

Morgen soll das Wetter wieder etwas besser werden. Falls das zutrifft, werde ich noch einen Tag hierbleiben und die Sonne am Wasser genießen.

25.09.2021 Farsund

Sonne ! 

Ich bleibe und genieße den letzten sonnigen Tag in Norwegen. Ab Morgen soll es wieder zuziehen.

Ein wenig ist es auch ein eingewöhnen in die Zivilisation. z.B. an so tolle Dinge wie Laubbläser! Der Hausmeister des anliegenden Autohauses gibt alles, bzw, er holt alles aus seinem Laubbläser heraus. Wer die Dinger erfunden hat sollte gesteinigt werden. Immerhin kommt er vorbei und entschuldigt sich für den Krach – also der Hausmeister, nicht der Laubbläser – was das Geräusch nicht besser macht. Also suche ich mein Heil in der Flucht und steige auf den Hausberg von Farsund – naja Berg, also Hügel. Keine Höchstleistung, falls jemand schon vor Bewunderung auf die Knie gehen wollte. Unterwegs treffe ich noch ein paar Ziegen …

Und der Ausblick von hier oben ist gigantisch! Ach, was ein schöne Land – seufz ! Was werde ich das

vermissen. Wehmut macht sich breit, bald ist das alles “nur” noch Erinnerung, keine Freiheit mehr, keine Stille, kein Fjord, See, Sund oder Pass mehr vor der Haustür …

Dennoch, was für ein Privileg eine solche Reise machen zu dürfen. Also nicht jammern, sondern genießen!

Zurück am Mobil kommt der 2. Test – Zivilisation, heißt auch mehr Menschen und mehr Wohnmobile. Inzwischen stehen 4 Fahrzeuge hier und ein fünftes kommt hinzu und dies geht enorm auf Kuschelkurs. Nun habe ich mich schon ganz an den Rand des Platzes gestellt und der schafft es, mir trotzdem noch auf die Pelle zu rücken. Offenbar spricht mein Gesicht Bände und obwohl ich freundlich gegrüßt habe – also so freundliche wie es ging – fragt der Fahrer ob er zu nahe stünde. Also wenn er schon so fragt … ich sage, naja, es wäre ja noch genug Platz rundherum und es wäre schon schön, ein wenig Privatsphäre zu haben. Daraufhin stellt er sich zum Glück ein paar Meter weiter weg. Es gäbe zwar weitaus schönere Ecken hier auf dem Platz, aber wenn er sich partout nicht von mir trennen mag ….

Ich setzte mich in die Nachmittagssonne, koche mir einen Kaffee, lese und genieße.

26.09.2021 von Farsund nach Høllen

Der letzte volle Norwegentag beginnt noch einmal sonnig. Das ist schön. Für mich geht es heute weiter Richtung Kristiansand, wo Morgen die Fähre ablegt.

Natürlich darf ich auf dem Weg nicht den südlichsten Punkt Norwegens auslassen, wenn ich das Nordkap schon geschlabbert habe. Unterwegs reiht sich eine schöne Bucht an die nächste. Eigentlich habe ich ja  nun schon genug bunte Häuschen fotografiert, doch sie animieren mich jedes Mal wieder, die Kamera zu zücken.

Von Lindsenes sind es 2518km bis zum Nordkap – Wahnsinn !

Natürlich muss man am südlichsten Punkt auch Eintritt bezahlen 80NOK damit man zum Leuchtturm hochlaufen darf. Naja, dann eben …

Inzwischen versteckt sich die Sonne leider hinter Wolken.

Von Lindsenes fahre ich meinen letzten Übernachtungsplatz in Høllen an. Der Platz liegt in einem kleinen lebhaften Hafen, mit Blick aufs Meer. Die Bucht ist so flach, dass man beinahe zu Fuß hindurchlaufen könnte.

Eigentlich wollte ich mir heute Abend noch einmal eine Fischsuppe gönnen, doch das örtliche Lokal hat leider geschlossen. Das ist der Nachteil, wenn man in der Nachsaison unterwegs ist.

Der Vorteil ist, dass der Parkplatz ab 15.08.2021 umsonst ist. Doppelt gespart 😉.

Ich wandere noch ein wenig an der Bucht entlang. Hier sind richtige Wege vorhanden. Aber natürlich auch nicht die Abgeschiedenheit, die ich die letzten Wochen so genossen habe. Wieder Vor- und Nachteil. Dennoch ist es schön hier.

27.09.2021 Von Høllen nach Kristiansand

Nun ist er da, der Tag der das Ende der Reise markiert. Und er tut alles um mir den Abschied nicht zu schwer zu machen. Es regnet und nicht nur ein bisschen, sondern in Strömen. Auf der Fahrt nach Kristiansand spritzt mir das Wasser der vorbeifahrenden oder entgegenkommenden Fahrzeuge teilweise so auf die Frontscheibe, das ich sekundenlang nichts sehe. Ich verbuche es unter Grobschmutzentfernung vom Wohnmobil.

In Kristiansand suche ich mir einen Parkplatz, schlendere noch etwas durch die Einkaufsstraße und setze meine letzten NOK um. Doch rechte Einkaufsstimmung will nicht aufkommen. So gehe ich zurück zum Mobil, koche mir noch einen Tee, mache mir ein Sandwich für die Fährfahrt und fahre schon einmal zur Fähre. Dort stehen schon einige Mobile, unter Anderem auch der Kuschler aus Farsund. Ich erkenne ihn an der “sympathischen” Aufschrift an seinem Mobil.😉

Der Rest des Tages besteht aus Warten bis die Fähre ablegt.

Pünktlich um 16:30 heißt es dann auf Wiedersehen Norwegen. Das Festland verschwindet im Dunst der Abgase der Fähre und dem Nebel des Tages.

Ich kann es kaum glauben, dass die Zeit schon vorbei ist. Ich bin am 02. August aufgebrochen. Was ich alles gesehen habe werde ich selber erst noch einmal für mich verarbeiten müssen. So viele Eindrücke kann man nicht im Kopf behalten. So ist dieser Reisebericht auch eine wertvolle Erinnerung für mich.

Ich werde jetzt noch 1 oder 2 Tage in Dänemark verbringen und mich dann in Etappen nach Hause bewegen.

Danke, dass Ihr bis hierhin durchgehalten habt. Ich freue mich über jedes „gefällt mir“ und jeden Kommentar. Auch bin ich gerne bereit Fragen zu beantworten. Die könnt Ihr im Kommentarfeld stellen, dann sehen auch andere die Antwort, oder Ihr schreibt mich einfach persönlich über den Kontakt an. Solltet Ihr Interesse an dem einen oder anderen Foto als Wandbild haben, könnt Ihr mich auch in diesem Fall anschreiben. Ich kläre dann mit Euch die Größe und die Ausführung. Weitere Fotos findet Ihr auch auf http://www.wolke-1.de

In den nächsten Tagen werde ich noch ein persönliches Fazit mit Gedanken, Tipps und hoffentlich meiner kompletten Reiseroute veröffentlichen. Im Moment kämpfe ich noch ein wenig mit der Technik….

4 Gedanken zu “Mittel- und Südnorwegen

  1. Sabine

    Liebe Ellen,
    es war herrlich mit Dir zu reisen. Vielen Dank für die eindrucksvollen Bilder und deine wunderbaren Worte. Die Sehnsucht weiter den Norden zu erkunden ist bei mir geweckt worden und deine Tipps und Informationen bestimmt wertvoll für spätere Reiseplanungen. Herzlichen Dank fürs teilen. Ich hätte mich auch über Informationen zu Deiner weiteren Rückreise interessiert. Ich merke, wenn ich so „live“ mit unterwegs bin, wie ich mich dann auch „sorge“, wenn der Tagesbericht mal ausbleibt. Gerne reise ich mal wieder mit Dir.
    Für Deine Zukunft wünsche ich Dir alles erdenklich Gute und Vertrauen, dass sich Dir spannende Türen öffnen.
    Herzliche Grüße Sabine

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    1. Hallo liebe Sabine, erst einmal herzlichen Dank für Deine sehr motivierende Rückmeldung. Das ist wichtig, damit ich weiß, ob überhaupt jemand mitliest, oder ob ich mein Publikum langweile 😉
      Um Dich zu beruhigen, ich habe noch 1 1/2 herrliche Tage in Dänemark verbracht und wieder wunderbare Stellplätze direkt am Meer gehabt. Heute bin ich dann mit einem Zwischenstopp in Flensburg (Fischbrötchenalarm) weiter bis in die Nähe von Wildeshausen gekommen, wo ich auf einem Hof mit Highlandrindern stehe 😍 Morgen treffe ich mich mit einer Freundin in Hörstel an der Ems. Mir geht es also gut 😉. Wenn Du zwischendurch Lebenszeichen von mir sehen möchtest und auf Instagram bist, findest Du mich unter 4pfotenauf4reifen oder unter Ellens_Machart. Liebe Grüße und nochmals Danke ! ❣️

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